Alles ist eine Datei: Die Designphilosophie von Unix zu KI-Agenten

2/16/2026
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Alles ist eine Datei: Die Designphilosophie von Unix zu KI-Agenten

Original von Ethan 业成

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Ein Echo über ein halbes Jahrhundert

Bereits in den frühen 1970er Jahren schlugen Ken Thompson und Dennis Ritchie von den Bell Labs, die Väter von Unix, erstmals ein kühnes, fast schon fanatisches Designprinzip vor: Alles ist eine Datei.

Mehr als fünfzig Jahre später erleben wir eine explosionsartige Zunahme von KI-Agenten-Frameworks. Manus, Claude Code, OpenClaw... Sie stammen von verschiedenen Teams, unterschiedlichen Technologie-Stacks und verfolgen unterschiedliche Geschäftsziele, haben aber alle unabhängig voneinander die gleiche Wahl getroffen: das Dateisystem als kognitives Gerüst für den Agenten zu verwenden.

Manus gibt dem Agenten eine virtuelle Maschine, und die Aufgabenergebnisse werden als Dateien auf der Festplatte gespeichert. Claude Code liest und schreibt direkt im lokalen Dateisystem des Benutzers und verwendet eine CLAUDE.md-Datei, um alle Anweisungen und den Kontext zu speichern. OpenClaw und andere Open-Source-Frameworks organisieren die Aufgabenzerlegung und den Zwischenzustand ebenfalls in einer Verzeichnisstruktur.

Wenn Ingenieure, die ein halbes Jahrhundert auseinander liegen, mit völlig unterschiedlichen technischen Problemen konfrontiert sind, aber unabhängig voneinander zu derselben Lösung gelangen, ist das kein Zufall, sondern ein Widerhall der Designphilosophie.

Die Entscheidung von Unix

Um die Tragweite dieser Sache zu verstehen, muss man zuerst verstehen, was Unix getan hat.

Das Design des Unix-Dateisystems gilt als eines der elegantesten Designs in der Geschichte der Informatik. Es löste ein äußerst komplexes Problem: Wie man eine einheitliche, einfache Schnittstelle verwendet, um die unterschiedlichsten Hardwareressourcen und Datenressourcen zu verwalten.

Vor den 1970er Jahren funktionierten Betriebssysteme wie folgt: Um eine Festplatte zu lesen, rief man die Festplattenschnittstelle auf; um ein Magnetband zu lesen, rief man die Magnetbandschnittstelle auf; um auf ein Terminal zuzugreifen, rief man die Terminalschnittstelle auf. Jedes Gerät hatte seine eigene API, und jede API hatte ihre eigene Semantik. Wenn man N Geräte und M Operationen hatte, war die Systemkomplexität N × M.

Thompson und Ritchie taten etwas scheinbar einfach Dummes:

Alles in Dateien verwandeln. Alles mit den vier Verben open, read, write, close bedienen.

Die Kernaussage ist: Alle Ressourcen im Betriebssystem – Dokumente, Verzeichnisse, Festplattenlaufwerke, Modems, Tastaturen, Drucker, sogar Netzwerkverbindungen und Prozessinformationen – können als ein Dateistream (Stream of Bytes) abstrahiert werden.

Das bedeutet, dass man nur einen Satz von APIs lernen muss – open(), read(), write(), close() – um alle Ressourcen des Computers zu bedienen.

Von da an kollabierte die Komplexität von N × M auf 4 × 1. Vier Verben, eine Abstraktionsebene.

Das Geniale daran ist nicht das Substantiv "Datei", sondern eine tiefere Einsicht:

Man muss nicht wissen, was sich hinter dem Dateideskriptor verbirgt. Die Schnittstelle ist der Vertrag.

Ein fd (Dateideskriptor) ist ein undurchsichtiges Handle. Wenn man read() darauf ausführt, kommt ein Byte-Stream heraus. Ob diese Bytes von einem Festplattensektor, einem Netzwerkkartenpuffer oder der Standardausgabe eines anderen Prozesses stammen – das ist einem egal, und das sollte einem auch egal sein.

Das ist die Macht einer einheitlichen Schnittstelle: Sie macht Unwissenheit zu einem Vorteil.

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Das gleiche Problem, vor dem Agenten stehen

Betrachten wir nun die Situation von KI-Agenten.

Um eine komplexe Aufgabe zu erledigen, steht ein Agent vor einer erstaunlich ähnlichen Notlage wie ein Betriebssystem in den 1970er Jahren:

  • Persistenter Speicher: Das Kontextfenster von LLMs ist flüchtig, und die Kette des Denkens verschwindet mit der Sitzung. So wie der Speicher nach dem Beenden eines Prozesses freigegeben wird – Sie benötigen einen Ort, an dem Sie den Zwischenzustand persistent speichern können, da sonst jeder Dialog von vorne beginnt.\n- Inkrementeller Kontext: Komplexe Aufgaben können nicht in einem Schritt erledigt werden. Der Agent muss den Kontext schrittweise in mehreren Inferenzrunden aufbauen, so wie ein Unix-Prozess den Zustand zwischen mehreren Ausführungen durch Lesen und Schreiben von Dateien übergibt. Das Dateisystem bietet von Natur aus diesen inkrementellen Arbeitsmodus des \Die Aussage, "Ersetze 'Programme' durch 'Agents' und 'Textströme' durch 'Dateien'", wird auch im Jahr 2026 noch gültig sein.

Zurück zu den ersten Prinzipien

Großartige Abstraktionen veralten nicht, sie finden nur in neuen Bereichen neue Instanzen.

"Einheitliche Schnittstellen lösen Komplexität" ist keine Erfindung von Unix, sondern ein ewiges Gesetz des Systemdesigns. Unix hat es zufällig mit dem Namen "Datei" implementiert. AI Agents haben es zufällig in Form eines "Arbeitsverzeichnisses" erneut implementiert.

Auch die nächste Generation von Systemen wird wieder vor der gleichen Wahl stehen: für jedes Ding eine dedizierte Schnittstelle entwerfen oder eine dünne, generische, zusammensetzbare Abstraktion finden?

Wenn die Geschichte uns etwas lehrt, dann steht die Antwort schon neben /dev/null geschrieben:

Keep it simple. Make it compose. Everything is a file.

Published in Technology

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