OpenAI ist nicht mehr OpenAI
2015 gründeten Elon Musk und Sam Altman gemeinsam OpenAI. Der Name selbst deutet auf die Mission hin: Open-Source-KI, um dem geschlossenen Monopol von Google entgegenzuwirken.
"Ich habe es OpenAI genannt, was Open Source bedeutet. Die ursprüngliche Idee war: Was ist das Gegenteil von Google? Eine Open-Source-Non-Profit-Organisation." — Elon Musk
Zehn Jahre später hat OpenAI stillschweigend die Wörter "safely" und "without financial motive" aus seiner Missionserklärung gestrichen. Dann wurde der Gründer von OpenClaw übernommen.
Das ist keine Transformation. Das ist Verrat.
Die technischen Wurzeln der Missionsdrift
Ich habe genug Infrastrukturarbeit geleistet, um zu wissen, wie so etwas passiert.
Am Anfang hat man ein hohes Ziel. Dann braucht man Geld, um GPUs zu kaufen. Dann braucht man mehr Geld, um mehr GPUs zu kaufen. Dann fordern die Investoren Renditen. Dann fängt man an, über "Nachhaltigkeit" und "langfristige Auswirkungen" zu sprechen.
"OpenAI erwartet für 2026 einen Verlust von 14 Milliarden Dollar." — @remarks
14 Milliarden Dollar. Das sind keine Zahlen für eine Wohltätigkeitsorganisation. Das sind Zahlen für ein Unternehmen, das seine Einnahmen skalieren muss. Wenn man jeden Monat eine Milliarde Dollar verbrennt, werden "open" und "non-profit" zu luxuriösen Konzepten.
Codex: Der Sieg der Plattformstrategie
Gleichzeitig hat OpenAI in einem Bereich echte Erfolge erzielt: Entwickler-Tools.
"Die Codex-Nutzer haben sich innerhalb von 6 Wochen verdreifacht. Das ist kein Zufall – das ist eine Plattformstrategie: Anwendung → Modell → Akquisition → Preisfixierung." — @LanYunfeng64
Das ist das klassische Plattformspiel. Zuerst baut man eine Nutzerbasis auf, dann kontrolliert man die wichtigsten Ressourcen und schließlich fixiert man die Preise. So hat es Microsoft damals gemacht. So hat es Google gemacht. Und so macht es jetzt auch OpenAI.
Aber das steht im Widerspruch zu "open".

Indien: Die Offenbarung von 100 Millionen Nutzern
Sam Altman gab bekannt, dass es in Indien 100 Millionen wöchentlich aktive ChatGPT-Nutzer gibt. Das ist ein wichtiger Meilenstein, aber er offenbart ein tiefer liegendes Problem:
"73% sind private Nutzung, 27% sind beruflich. Die Geschlechterkluft schließt sich schnell (von 80% Männern zu 50/50). Die beliebteste Anwendung? Schreibhilfe, nicht Programmierung. Die Leute wollen einen KI-Berater, keine Alternative." — @Sider_AI
Das ist nicht das professionelle Tool, das sich OpenAI ursprünglich vorgestellt hat. Das ist ein Produkt für Endverbraucher. Und Produkte für Endverbraucher brauchen ein Geschäftsmodell für Endverbraucher – Abonnements, Werbung, Datenmonetarisierung.
Musks Wut
Elon Musks Wut ist mehr als nur eine persönliche Fehde:
"Ich vertraue OpenAI nicht, ich vertraue Sam Altman nicht. Ich habe diese Firma als Non-Profit-Open-Source-Organisation gegründet. Das Open in OpenAI steht für Open Source. Jetzt ist es extrem geschlossen und strebt nach Gewinnmaximierung." — Elon Musk
Er hat Recht. Aber er ignoriert die Realität, wenn er das sagt: OpenAI hat keinen Weg zurück mehr. 14 Milliarden Dollar Jahresverlust erlauben keinen Idealismus.
Die technische Realität
Als Techniker mache ich mir eher Sorgen um eine andere Frage: Was bedeutet es für das Ökosystem, wenn OpenAI zu "einem weiteren großen Technologieunternehmen" wird?
- API-Lock-in: Je mehr Codex-Nutzer, desto höher die Migrationskosten
- Modellverschluss: Die technischen Details von GPT-5 werden niemals veröffentlicht
- Wettbewerbsverzerrung: Startups können nur in den Bereichen innovieren, die OpenAI erlaubt
Das ist kein Problem, das nur OpenAI betrifft. Das ist der gemeinsame Weg aller Plattformunternehmen. Aber wenn der Name eines Unternehmens selbst "Open" ist, ist diese Transformation besonders ironisch.
Die nächste Frage
Wird OpenAI "Microsoft auffressen"? Das glaubt Musk.
Ich mache mir eher Sorgen darüber: Wer wird die Lücke füllen, die OpenAI hinterlässt? Die Open-Source-Community? Anthropic? Das chinesische DeepSeek?
Auf diese Frage gibt es keine definitive Antwort. Aber eines ist klar: OpenAI ist nicht mehr das OpenAI von 2015. Der Name ist noch da, aber die Seele ist weg.





