Seedance 2.0: Hollywoods Urheberrechtswarnung oder das Ende der Content-Industrie?
Nur fünf Tage nach der Veröffentlichung von Seedance 2.0 durch ByteDance flatterte bereits ein Anwaltsschreiben aus Hollywood ins Haus.
Dies ist keine einfache Urheberrechtsstreitigkeit. Es ist ein Machtkampf darüber, wer die Erzählung kontrolliert.
Daten im Überblick
Laut Reuters:
- Disney und die MPAA haben ByteDance eine Unterlassungserklärung geschickt.
- Die japanische Regierung hat eine Untersuchung wegen KI-Missbrauchs von Conan- und Ultraman-Charakteren angekündigt.
- Produktionskosten: Eine 2-minütige Kampfszene in traditionellen Hollywood-Produktionen kostet Millionen von Dollar; Seedance 2.0-Nutzer berichten von Kosten in Höhe von etwa 60 Dollar.
Dies ist keine Effizienzsteigerung, sondern ein vollständiger Zusammenbruch der Kostenstruktur.

Das Wesen der Plattformstrategie
Auf X gibt es einen bemerkenswerten Tweet:
"The Chinese Government directed their companies, years ago, to use generative AI to replace film making to cut production cost. This is why Seedance 3.0/5.0 will have video generation up to 18 minutes. China has 548M Gen AI users." — @ashiqeLSD
Unabhängig davon, ob diese Information vollständig korrekt ist, ist die Kernlogik klar: China baut die KI-Videogenerierung als nationale Infrastruktur auf.
Dies unterscheidet sich grundlegend vom US-amerikanischen Modell:
| Modell | 美国 | 中国 |
|---|---|---|
| 主导者 | OpenAI, Google, 独立公司 | 国家战略 + 互联网巨头 |
| 优先级 | 安全 + 版权合规 | 规模 + 成本优势 |
| 监管 | 事后追责 | 前置规划 |
| Modell | USA | China |
| ------ | ------ | ------ |
| Dominierende Akteure | OpenAI, Google, unabhängige Unternehmen | Nationale Strategie + Internetgiganten |
| Priorität | Sicherheit + Einhaltung des Urheberrechts | Umfang + Kostenvorteile |
| Regulierung | Nachträgliche Haftung | Vorausschauende Planung |
Seedance 2.0 unterstützt 9 Referenzbilder, 3 Videos und 3 Audioeingaben, um 15-sekündige Multi-Shot-Clips zu generieren. Diese multimodale Kontrollmöglichkeit macht es nicht nur zu einem "Text-zu-Video"-Tool, sondern zu einem Videoproduktionsbetriebssystem.
Die Reaktion Hollywoods
Disneys Vorwurf ist sehr direkt:
"Disney accused ByteDance of a 'virtual smash-and-grab' of Marvel and Star Wars IP through its Seedance AI tool." — @dhoesq
Aber die Frage ist: Was bedeutet "IP kontrollieren", wenn Fans mit ihren eigenen Laptops eine alternative Fortsetzung von Avengers generieren können?
Auf X gibt es eine beunruhigende Stimme:
"Seedance 2.0 made an Avengers: Doomsday movie ending scene using AI. If fans can generate alternate endings on their own laptops, studios aren't the only ones controlling the narrative anymore. The power dynamic is shifting." — @JovinSKN
Dies ist das, was Ben Thompson als umgekehrte Anwendung der Aggregation Theory bezeichnen würde: Die Produktion von Inhalten ist nicht mehr auf Plattformen konzentriert, sondern auf jeden Benutzer verteilt. Wenn das Angebot an Inhalten unendlich wird, nähert sich der Wert der Verteilung Null.
Das Ende des Urheberrechts?
ByteDance hat bereits angekündigt, die "Sicherheitsmaßnahmen" zu verstärken. Aber das ist nur ein taktischer Rückzug.
Strategische Fragen lassen sich nicht vermeiden:
- Technisch nicht zu verhindern: Man kann die visuellen Merkmale einer Figur nicht aus den Modellgewichten "löschen".
- Rechtlich nicht durchsetzbar: Wer soll das Gesetz durchsetzen, wenn weltweit 5,48 Milliarden KI-Nutzer täglich Milliarden von Videos generieren?
- Kommerziell keine Wahl: Die Produktionskosten ohne KI werden nicht mit denen mit KI konkurrieren können.
Ein japanischer Nutzer drückt es deutlich aus:
"Seedance 2.0 でコナンやウルトラマンの無断AI動画が爆増、日本政府が調査開始。技術的にはすごいけど、これ要するに他人のキャラで再生数稼ぎだよな。著作権の崩壊とAI進化がセットで来てる現実、否定できる人いないだろ" — @ailifehack82270
Übersetzung: Die Technologie ist stark, aber im Wesentlichen geht es darum, mit den Charakteren anderer Leute Traffic zu generieren. Der Zusammenbruch des Urheberrechts und die Entwicklung der KI gehen Hand in Hand, und niemand kann diese Realität leugnen.
Fazit
Seedance 2.0 ist nicht das nächste TikTok. Es ist ein Werkzeug zur Restrukturierung der Wertschöpfungskette der Content-Industrie.
Für Hollywood:
- Urheberrechtsklagen können nur Zeit gewinnen, aber die Verbreitung der Technologie nicht verhindern.
- Der einzige Ausweg ist, selbst zum Verteiler von KI-Inhalten zu werden.
Für ByteDance:
- Der Urheberrechtsdruck wird anhalten, aber die Nutzer weltweit haben bereits Gefallen daran gefunden.
- Die 5,48 Milliarden KI-Nutzer im chinesischen Markt sind ein Burggraben.
Für Kreative:
- "Elektronische Spülbrühe" – so bezeichnen chinesische Nutzer KI-generierte Inhalte.
- Wenn die Kosten für Inhalte gegen Null tendieren, ist die Aufmerksamkeit das einzig Knappe.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Seedance Hollywood zerstören wird, sondern: Was kann noch als "Blockbuster" bezeichnet werden, wenn jeder einen Blockbuster produzieren kann?





