Die Ökonomie des Vibe Coding
74 Euro.
Das sind die Kosten, die einem französischen Entwickler für einen Tag "Vibe Coding" mit Claude Code entstanden sind. Er hat damit die verrückteste Website erstellt, die er in den letzten zehn Jahren gemacht hat.
Teuer? Oder günstig?
Das hängt davon ab, wie man die Rechnung aufmacht.
Was ist Vibe Coding?
Vibe Coding ist kein offizieller Begriff, aber man versteht sofort, was gemeint ist.
Du hast eine Idee. Du öffnest Claude Code. Du beginnst zu beschreiben, was du willst. Claude stellt ein paar Fragen. Du antwortest. Code beginnt zu entstehen.
Du schreibst keinen Code. Du führst ein Gespräch mit einer KI, und der Code ist ein Nebenprodukt.
"It cost me €74 to make the craziest website I've ever made in over ten years of site building. And that's my first attempt—lots of mistakes, little optimization." — @jeremyrglt
Veränderung der Kostenstruktur
Traditionelle Softwareentwicklung: Zeit × Stundensatz = Kosten
Vibe Coding: Token-Verbrauch × Token-Preis = Kosten
Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Im traditionellen Modell erhöht die Komplexität die Kosten linear. Komplexe Projekte erfordern mehr Zeit, mehr Ingenieure.
Beim Vibe Coding ist der Einfluss der Komplexität nichtlinear. Manchmal erfordert eine komplexe Funktion nur eine einzige Beschreibung. Manchmal erfordert eine einfache Funktion wiederholtes Debugging.
Der Luxus von Opus 4.6
Ein japanischer Entwickler schrieb:
"At work, I have unlimited Opus 4.6 via Claude Code. When I use Sonnet privately, I can't help feeling it's not enough." — @akirugaishi
Das ist ein realer Unterschied in der Erfahrung. Der Unterschied zwischen Opus 4.6 und Sonnet beträgt nicht 10 % oder 20 %, sondern eine spürbare qualitative Veränderung.
Wenn das Werkzeug zur Infrastruktur wird, verstärkt sich dieser Unterschied. Es ist, als würde man sich an einen 4K-Monitor gewöhnen und dann zu 1080p zurückkehren.

Das Problem der Auffindbarkeit von Plugins
"Marketplace for Claude Code plugins is exactly what's needed. Discoverability is hard—I've probably missed dozens of useful plugins just because I don't know they exist." — @saen_dev
Dies ist eine unvermeidliche Phase der Plattformentwicklung.
Zuerst kommt das Kernprodukt. Dann die Plugins. Dann der Entdeckungsmechanismus.
Claude Code entwickelt sich von einem Werkzeug zu einer Plattform. Aber eine Plattform braucht ein Ökosystem, und ein Ökosystem braucht Auffindbarkeit.
Fazit
Vibe Coding verändert die Ökonomie der Softwareentwicklung.
Die Kosten sind nicht mehr die Zeit, sondern die Token. Der Engpass ist nicht mehr die Codiergeschwindigkeit, sondern die Ausdrucksfähigkeit.
74 Euro für zehn Websites? Vielleicht.
Aber wahrscheinlicher ist: Du willst nicht mehr "zehn Websites machen". Du willst nur noch das machen, was du wirklich machen willst.





